Stadtarchiv

St.Lorenz. Blick vom Elm aus. Foto: Eve­lyn Buch­he­is­ter (E.B.Photography)

Schö­nin­gens Schatz­kam­mer der Geschich­te

Wie in zahl­rei­chen Städ­ten unse­res Lan­des, gibt es auch in Schö­nin­gen ein Stadt­ar­chiv, in dem die schrift­lich doku­men­tier­te Ver­gan­gen­heit auf­be­wahrt wird. Es sind wich­ti­ge Schät­ze, um die es hier geht. Sie befin­den sich im Kel­ler des neu­en Rat­hau­ses. Sie sind ein­zig­ar­tig, uner­setz­lich und ganz ein­fach unbe­zahl­bar.
Es sind Akten, Doku­men­te, geschrie­be­ne und gedruck­te, amt­li­che Schrift­vor­gän­ge, behörd­li­che Anord­nun­gen, Rege­lun­gen und Urkun­den. All dies Gedruck­te, Geschrie­be­ne, Über­lie­fer­te befin­det sich sys­te­ma­tisch und über­sicht­lich geord­net im Stadt­ar­chiv, gibt untrüg­lich Aus­kunft über Schö­nin­gens Ver­gan­gen­heit und ist Wis­sens­hung­ri­gen zugäng­lich.
Die Geschich­te des Archivs ist span­nend. Am 30. Juli 1644 ver­nich­te­te der gro­ße Stadt­brand in Schö­nin­gen fast alle Gebäu­de und die meis­ten, bis zu die­sem Zeit­punkt gesam­mel­ten Akten, Doku­men­te, Urkun­den und Bücher.
Wer sind nun die Bür­ger Schö­nin­gens, die sich mit Schö­nin­gens Ver­gan­gen­heit befasst haben und auch flei­ßi­ge Samm­ler waren?

1. Adam Vie­bing,
1595 in Bres­lau gebo­ren, stu­dier­te ab 1613 an der Königs­ber­ger Albertus–Universität und kam 1624 als Anwalt und Notar nach Schö­nin­gen. Er über­nahm die Auf­ga­be eines Stadt­schrei­bers und bemüh­te sich, die Geschich­te Schö­nin­gens von den Anfän­gen bis in die Zeit nach dem Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg zurück­zu­ver­fol­gen und auf­zu­schrei­ben.
Er beti­tel­te sein hand­schrift­lich ver­fass­tes Buch, das er 1652 been­de­te, mit Liber Memo­ran­dum (Buch, das zu Erin­nern­des ent­hält). Als Heft 8 (1990) der Bei­trä­ge zur Geschich­te des Land­krei­ses und der ehe­ma­li­gen Uni­ver­si­tät Helm­stedt hat Hei­mat­for­scher Wer­ner Freist es unter dem Titel Geschich­te Schö­nin­gens z. Z. des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges von Ada­mus Vie­bin­gius bear­bei­tet von Wer­ner Freist, Stadt­ar­chi­var in Schö­nin­gen ver­öf­fent­licht (s.u. 6. Ober­stu­di­en­rat Wer­ner Freist).

2. Sigis­mund Andre­as Cuno
war der nächs­te Chro­nist, der Schö­nin­gens Ver­gan­gen­heit akri­bisch auf­ge­schrie­ben hat. 1675 gebo­ren als Sohn des Schö­nin­ger Bür­ger­meis­ters Johann Hein­rich Cuno (1642 – 1716, Bür­ger­meis­ter von 1709 bis 1716) hat­te Sigis­mund Andre­as Cuno von 1717 bis 1747 das Amt des Rek­tors der Hohen Fürst­li­chen Schu­le inne.
Ein bedeut­sa­mes Werk ist sein umfang­rei­ches gelehr­tes Buch „Memo­ra­bi­lia Sche­n­in­gen­sia His­to­riae Bru­n­o­vicen­si pas­sim inser­ven­tia“ (Braun­schweig und Leip­zig 1728). Es ent­hält eine flei­ßig zusam­men­ge­stell­te Chro­nik und his­to­ri­sche Stadt­be­schrei­bung Schö­nin­gens, mit Anmer­kun­gen unter­mau­ert und durch ein Regis­ter erschlos­sen. Ein sehr umfang­rei­cher Quel­len­an­hang mit abge­druck­ten Urkun­den und Akten ver­voll­stän­digt die­se impo­nie­ren­de frü­he wis­sen­schaft­li­che Bemü­hung um die ältes­te Stadt im Lan­de Braun­schweig. Die Sali­ne und das Gym­na­si­um wer­den in die­sem latei­nisch abge­fass­ten, in Sach­grup­pen geglie­der­ten Werk beson­ders gewür­digt, dem die Resi­denz­städ­te Braun­schweig und Wol­fen­büt­tel damals, und auch noch viel spä­ter, nichts gleich­wer­ti­ges an die Sei­te stel­len konn­ten.
(D. Lent, in: Braun­schwei­gi­sches Bio­gra­phi­sches Lexi­kon, 8. bis 18. Jahr­hun­dert).
Wer­ner Freist merkt an, dass Vie­bings Schrift Sigis­mund Andre­as Cuno als his­to­ri­sche Grund­la­ge dien­te. Cuno ver­starb 1750 in Schö­nin­gen. Karl Rose (sie­he Stadt­ar­chiv I‑B-1/L‑121 und Vom Schö­nin­ger Stadtarchiv,in: UH 3./1969, S.37f.) schreibt: Jahr­hun­der­te ver­gin­gen, ohne dass sich nach Vie­bings Tode jemand von der Stadt­ver­wal­tung beson­ders für ein Archiv inter­es­sier­te. Ein sich sehr für das Stadt­ar­chiv inter­es­sie­ren­der Hei­mat­kund­ler war dann der von 1878 – 1898 in Schö­nin­gen amtie­ren­de Stadt­käm­me­rer Bern­hard Schö­nert.

3. Bern­hard Her­mann Franz Schö­nert
wur­de am 7. März 1842 in Wol­fen­büt­tel gebo­ren. Die Fami­lie hat­te dort ein Posa­men­ten-Geschäft (Posa­men­ten kommt aus dem Fran­zö­si­schen und bedeu­tet Bor­ten, Tres­sen, Lit­zen, Schnü­re, Fran­sen für Klei­dung, Uni­for­men und Möbel­stü­cke). Bern­hard Schö­nert besuch­te in Wol­fen­büt­tel die I. Bür­ger­schu­le und war Schü­ler der Real­klas­se. In Schö­nin­gen hieß die der I. Bür­ger­schu­le ange­glie­der­te Klas­se mit erhöh­ten Unter­richts­an­for­de­run­gen und zusätz­li­chem Fach­un­ter­richt „Neben­klas­se“ oder „Selek­ta“. 1856 begann er eine Aus­bil­dung als Schrei­ber bei einem Advo­ka­ten in Wol­fen­büt­tel und 1862 kam er als Schrei­ber an das Her­zog­li­che Amts­ge­richt in Schö­nin­gen. Hier lern­te ihn der Amts­rich­ter Mey­er ken­nen und schät­zen.
Als Vor­sit­zen­der der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung emp­fahl er ihn im August 1870 der Stadt als Stadt­schrei­ber. 1873 wur­de er zum Stadt­se­kre­tär ernannt und 1878 zum Stadt­käm­me­rer. Die­ses Amt hat­te er 20 Jah­re inne.
Er war ver­hei­ra­tet mit Maria, gebo­re­ne Baum­gar­ten, geb. am 7. März 1845 in See­hau­sen, gestor­ben am 28. Febru­ar 1929 in Helm­stedt. Er starb am 5. Mai 1898. Dr. Paul Zim­mer­mann, ver­ant­wort­li­cher Redak­teur von „Braun­schwei­gi­sches Maga­zin“, lobt in der Aus­ga­be Nr. 26 vom 18. Dezem­ber 1898 Schö­nerts über­aus gro­ßen Eifer, mit dem er alte Schrif­ten und Doku­men­te auf­spür­te und sam­mel­te.
Schö­nerts Beweg­grund ist die Erkennt­nis, dass das Archiv der Stadt Schö­nin­gen infol­ge von Feu­ers­brüns­ten und ande­ren Unglücks­fäl­len wenig und nur unbe­deu­ten­des Mate­ri­al auf­weist. Er ist bestrebt, die weni­gen vor­ge­fun­de­nen Mate­ria­li­en zusam­men­zu­hal­ten und sie durch geziel­te Suche zu meh­ren. Sei­nen vor­bild­li­chen Ein­satz, alte Akten und Urkun­den zu sam­meln und zu bewah­ren, sieht Paul Zim­mer­mann im kras­sen Gegen­satz zu der Nach­läs­sig­keit der Stadt Schö­nin­gen im Umgang mit Archi­va­li­en.
Dies ver­deut­licht sei­ne kri­ti­sche Bemer­kung, dass die­sen doch auch sonst kei­nes­wegs immer die erfor­der­li­che Sorg­falt gewid­met gewe­sen (war). So wird auch ver­ständ­lich, wenn Paul Zim­mer­mann das von Schö­nert für eine geplan­te Chro­nik gesam­mel­te wert­vol­le Mate­ri­al im Auge hat und schreibt: Um die­ses vor Zer­split­te­rung zu bewah­ren und künf­ti­ger Benut­zung sicher zu erhal­ten, hat es die Wit­we Schö­nerts, zwei­fel­los in sei­nem Sin­ne han­delnd, dem Her­zog­li­chen Lan­des­haupt­ar­chiv in Wol­fen­büt­tel über­ge­ben und er fährt fast zynisch fort in des­sen sichern Hafen schon wie­der­holt nach man­cher­lei Irr­fahr­ten Schö­nin­ger Archi­va­li­en geret­tet wor­den sind. In der Tat exis­tiert unter der Num­mer I‑B-1/A‑158a im Stadt­ar­chiv eine Bestä­ti­gung des Her­zog­li­chen Lan­des­haupt­ar­chivs, heu­te Nie­der­säch­si­sches Landesarchiv/​Staatsarchiv Wol­fen­büt­tel, vom 29. Juli 1904, in der auf­ge­lis­tet sind 196 Stü­cke, die dem Lan­des­haupt­ar­chiv von der Stadt Schö­nin­gen über­ge­ben wur­den.
Wört­lich heißt es: Dem ver­ehr­li­chen Stadt­ma­gis­tra­te zu Schö­nin­gen erlau­be ich mir anbei das Ver­zeich­nis der Akten zu über­sen­den, deren Emp­fang ich unterm 15. Novem­ber 1901 beschei­nigt habe. Soll­te die Benut­zung des einen oder ande­ren der hier auf­ge­führ­ten Stü­cke dort erwünscht sein, so kann die Über­sen­dung auf Grund der Num­mern die­ses Ver­zeich­nis­ses sofort erfol­gen. Gezeich­net Dr. Zim­mer­mann.
Paul Zim­mer­mann hebt Schö­nerts selbst­lo­sen Eifer her­vor, mit dem er in Schö­nin­gen alle gemein­nüt­zi­gen Bestre­bun­gen mit Wort und Tat nach Kräf­ten unter­stütz­te. Die Grün­dung des Ver­schö­ne­rungs­ver­eins am 17. Sep­tem­ber 1884 – Vor­läu­fer des heu­ti­gen Ver­kehrs­ver­eins – geht auf sei­ne Initia­ti­ve zurück. Der Ver­ein zähl­te damals nach kur­zer Zeit bereits 163 Mit­glie­der (sie­he Fest­schrift des Ver­kehrs­ver­eins Schö­nin­gen 1986, her­aus­ge­ge­ben anläss­lich des 60jährigen Bestehens des Ver­eins).

4. Her­mann Ber­king
ist Bern­hard Schö­nerts Nach­fol­ger. Wie jener, schreibt Karl Rose (a.a.O.), so war auch die­ser ein treu­er Pfle­ger und Meh­rer des städ­ti­schen Archivs bis zu sei­ner Pen­sio­nie­rung im Jah­re 1928. Er wur­de am 6. April 1862 als Sohn des Flei­scher­meis­ters Hein­rich Ber­king und sei­ner Frau Chris­tia­ne, geb. Nabel, in Schö­nin­gen gebo­ren und besuch­te die I. Bür­ger­schu­le, die Neben­klas­sen mit Fremd­spra­chen für eine wei­ter­füh­ren­de Schul­bil­dung anbot.
Sei­ne Schu­le befand sich in dem Grau­en Schul­ge­bäu­de Schulstraße/​Ecke Wall­stra­ße, der heu­ti­gen Come­ni­us-Schu­le. 1882 wur­de Her­mann Ber­king städ­ti­scher Magis­trats­schrei­ber, 1895 Stadt­se­kre­tär und 1898 Stadt­käm­me­rer. Am 1. April 1928 ging er in den Ruhe­stand. (sie­he Karl Rose, Hei­mat­buch der Salz­stadt Schö­nin­gen, IV. Teil, S. 92).

Hermann Berking
Herr­mann Ber­king, Schö­nin­ger Archi­var

An glei­cher Stel­le ergänzt Karl Rose: Im Neben­amt war er u.a. ca. 25 Jah­re lang stell­ver­tre­ten­der Gewer­be­rich­ter und 30 Jah­re lang stell­ver­tre­ten­der Stan­des­be­am­ter gewe­sen.
Her­mann Ber­king war ver­hei­ra­tet in ers­ter Ehe mit Her­mi­ne Was­mus aus Engeln­s­tedt, geb. am 30. Sep­tem­ber 1867. Nach dem Tode sei­ner Frau am 17. August 1898 hei­ra­te­te er am 19. Novem­ber 1899 deren Schwes­ter Ida Was­mus, geb. 29. April 1871. Die Ber­kings hat­ten eine Toch­ter, Eva, geb. 14. Okto­ber 1900, Leh­re­rin, die in den 1950er Jah­ren an der Eichen­dorff­schu­le beschäf­tigt war, und einen Sohn, Georg, geb. 21. April 1902, Dipl. Inge­nieur.
Der Schö­nin­ger Anzei­ger wür­dig­te in den Lokal­nach­rich­ten vom 2. April 1928 die Per­sön­lich­keit Her­mann Ber­kings, sei­ne beruf­li­che Leis­tung und sei­ne Lie­be zu sei­ner Vater­stadt Schö­nin­gen mit fol­gen­den Wor­ten: 46 Jah­re sei­nes Lebens hat er sei­ner Vater­stadt gedient und ihr mit gro­ßer Treue und Gewis­sen­haf­tig­keit sei­ne Arbeits­kraft gewid­met, davon 30 Jah­re lang auf ver­ant­wor­tungs­vol­lem Pos­ten als Stadt­käm­me­rer. Er hat­te ein gro­ßes Inter­es­se an der Geschich­te der Stadt Schö­nin­gen. So fährt die o.g. Zei­tung fort: Neben sei­ner Amts­tä­tig­keit wid­me­te er sich mit gro­ßer Lie­be der Erfor­schung der Geschich­te sei­ner Vater­stadt. Mit einer gera­de­zu rüh­ren­den Sorg­falt sam­mel­te er alte, Schö­nin­gens Ver­gan­gen­heit betref­fen­de Urkun­den und Schrif­ten. Das städ­ti­sche Archiv war für ihn ein Klein­od, das er sorg­samst heg­te und pfleg­te. Alle Bestre­bun­gen, die sich dar­auf erstreck­ten, die Hei­mat­lie­be zu wecken und zu pfle­gen, unter­stütz­te er bereit­wil­ligst. Her­mann Ber­king war auch Grün­dungs­mit­glied des am 29. Janu­ar 1927 von Karl Rose ins Leben geru­fe­nen Muse­ums­ver­eins, des spä­te­ren Hei­mat­ver­eins. Er über­nahm das Amt des Kas­sie­rers. Karl Rose und Her­mann Ber­king kann­ten sich also (sie­he UH, 3./2007, S. 3 ff.). Her­mann Ber­king starb am 8. August 1945 in Braun­schweig.

5. Karl Rose
Ohne Karl Roses ziel­stre­bi­ger, archi­va­ri­scher Arbeit gäbe es das Stadt­ar­chiv in dem heu­ti­gen Zustand nicht. Er berich­tet (sie­he Stadt­ar­chiv I‑B-1/L‑121) aus­führ­lich über die wei­te­re Ent­wick­lung des Archivs und über sich als den ers­ten ehren­amt­li­chen Stadt­ar­chi­var. Wört­lich schreibt Karl Rose: Bevor Stadt­käm­me­rer Ber­king aus dem Leben (aus dem Berufs­le­ben) schied, bat er den Unter­zeich­ne­ten (Karl Rose) mehr­fach, sich nach sei­ner Pen­sio­nie­rung (d. h. Pen­sio­nie­rung Ber­kings) der­einst des städ­ti­schen Archivs anzu­neh­men, es zu pfle­gen und zu meh­ren, da er kei­ne Per­sön­lich­keit in der Stadt­ver­wal­tung sähe, die sich mit Lie­be der Ange­le­gen­heit anneh­men wür­de. Sein Wunsch wur­de von mir erfüllt.

Karl Rose, Schö­nin­ger Archi­var und Grün­der des Hei­mat­mu­se­ums

Im Jahr 1932 wur­den dem 1927 gegrün­de­ten Hei­mat­mu­se­um nach mehr­fach wech­seln­den Orten fünf Räu­me im „Kanz­ler­hof“ am Burg­platz zur Ver­fü­gung gestellt. Einen Raum nutz­te Karl Rose als Archiv. Die Stadt über­ließ ihm alte Gil­de­ak­ten, Rats­ak­ten, eini­ge hun­dert ein­ge­bun­de­ne Jahr­gän­ge der bei-den in Schö­nin­gen erschei­nen­den Zei­tun­gen, „Schö­nin­ger Zei­tung“ (sie­he UH 1. /​ 2007,S.6–11) und „Schö­nin­ger Anzei­ger“ (sie­he UH 1./2011,S.4–11). Karl Rose war bestrebt, alte Schrif­ten und Doku­men­te, die sich in Pri­vat­be­sitz befan­den, zu bekom­men, um sie in den Bestand des Archivs ein­zu­fü­gen. Er selbst sam­mel­te eif­rig Zei­tungs­aus­schnit­te, Fest­schrif­ten, Flug­blät­ter, Wer­be­schrif­ten usw. 1957 wur­de für die Ein­rich­tung eines soge­nann­ten „Sali­nen-Zim­mers“ im Hei­mat­mu­se­um ein Raum benö­tigt. Die wert­vol­len Bestän­de muss­ten in einen Boden­raum des alten Rat­hau­ses umzie­hen. Karl Rose war dar­über sehr unglück­lich. Er fürch­te­te um den Zustand der Druck- und Hand­schrif­ten wegen der schwan­ken­den Tem­pe­ra­tur- und Feuch­tig­keits­wer­te. Am 16. Dezem­ber 1958 beschloss die Stadt, dem Hei­mat­mu­se­um Räu­me in dem Gebäu­de am Markt/​Ecke Schul­stra­ße frei zur Ver­fü­gung zu stel­len. Die vor­han­de­nen Archiv­schät­ze wur­den am 1.Oktober 1959 in einem klei­nen Raum im Hin­ter­ge­bäu­de, Schul­stra­ße 1, unter­ge­bracht und am 12. Febru­ar 1961 wur­de im Vor­der­haus, Markt 33, das Hei­mat­mu­se­um eröff­net. Am 1. Juli 1963 kamen vier wei­te­re Räu­me hin­zu, wobei ein Raum in der ers­ten Eta­ge als Archiv ein­ge­rich­tet wer­den konn­te. Der Umzug des Archivs fand von einem klei­ne­ren in einen grö­ße­ren Raum statt. 1968 stell­te die Stadt­ver­wal­tung in dem neu errich­te­ten Rat­haus­an­bau drei geeig­ne­te Kel­ler­räu­me mit Tages­licht, Hei­zung, Was­ser­lei­tung, moder­ner Beleuch­tung und Tele­fon für die Unter­brin­gung eines Archivs zur Ver­fü­gung. Dar­auf­hin mach­te Karl Rose den Vor­schlag, die städ­ti­schen und die im Hei­mat­ver­ein vor­han­de­nen Archi­va­li­en zusam­men­zu­füh­ren, um aus die­sen Bestän­den ein selb­stän­di­ges städ­ti­sches Archiv zu bil­den. Karl Rose wur­de zum ehren­amt­li­chen Stadt­ar­chi­var bestellt. Somit gab es in Schö­nin­gen seit 1968 ein eigen­stän­di­ges, der Stadt­ver­wal­tung ange­glie­der­tes Archiv. Sei­nen Sohn Wolf­gang beschäf­tig­te Karl Rose als Sach­be­ar­bei­ter, der damit befasst war, die vie­len tau­send Ein­zel­schrif­ten zu ord­nen, ein­zu­stel­len, zu kata­lo­gi­sie­ren und aus­zu­zeich­nen, sowie geziel­te Nach­for­schun­gen zu betrei­ben (Karl Rose, UH 3./1969, S. 39). Karl Rose lei­te­te das Archiv bis 1972.

6. Ober­stu­di­en­rat Wer­ner Freist

Wer­ner Freist, Stadt­ar­chi­var bis 1989 und Muse­ums­lei­ter bis 1983 hat­te 17 Jah­re lang bis 1.Mai 1989 das Amt des Stadt­ar­chi­vars inne. Von 1967 bis 1983 war er 1. Vor­sit­zen­der des Hei­mat­ver­eins und Muse­ums­lei­ter.

Wer­ner Freist, Stadt­ar­chi­var bis 1989 und Muse­ums­lei­ter bis 1983

Neben sei­ner archi­va­ri­schen Arbeit war er auch stadt­ge­schicht­lich und archäo­lo­gisch tätig. Den Hei­mat­for­scher Freist inter­es­sier­te lei­den­schaft­lich, was es über und unter der Erde zu fin­den, zu beob­ach­ten, zu ver­mes­sen gab, um die Stadt­ent­wick­lung archäo­lo­gisch zu ent­de­cken, geschicht­lich zu erfor­schen, inhalt­lich zu beschrei­ben und kar­to­gra­phisch zu doku­men­tie­ren (sie­he UH 2./2008, S. 5f.).Zahlreiche Berich­te, Hef­te ‚Bücher legen Zeug­nis ab über die Ergeb­nis­se sei­ner hei­mat­kund­li­chen For­schun­gen. Sei­ne letz­te Ver­öf­fent­li­chung war die Bear­bei­tung des Buches von Adam Vie­bing Liber Memo­ran­dum (s.o.u.1.Adam Vie­bing) Der dama­li­ge Bür­ger­meis­ter Pau­se und dama­li­ge Stadt­di­rek­tor Lüb­be schrei­ben im Geleit­wort: Die Stadt Schö­nin­gen dankt ihrem uner­müd­lich täti­gen Hei­mat­for­scher Ober­stu­di­en­rat i.R. Wer­ner Freist auf das Herz­lichs­te. Bereits im 80. Lebens­jahr ste­hend spür­te er die Hand­schrift in der Her­zog August Biblio­thek in Wol­fen­büt­tel wie­der auf, sorg­te für die Über­tra­gung der schwer les­ba­ren Hand­schrift und führt in das Leben und Werk des Ver­fas­sers ein.

7. Jür­gen Kön­ne­cke
orga­ni­sier­te und betreu­te das Stadt­ar­chiv für die nächs­ten 25 Jah­re von 1989 bis 2014.

Jürgen Könnecke
Jür­gen Kön­ne­cke, 25 Jah­re im Stadt­ar­chiv

Wäh­rend sei­ner Zeit wur­de das Ord­nungs­sys­tem fort­ge­setzt und aus­ge­baut, es wur­den säu­re­si­che­re Kar­tons ein­ge­führt und um die Archi­va­li­en vor dem schäd­li­chen hel­len Tages­licht zu schüt­zen, wur­den die Fens­ter­schei­ben ver­dun­kelt. Unter­stützt wur­de Jür­gen Kön­ne­cke bei sei­ner Arbeit von dem Mit­ar­bei­ter Maik Albrecht (2000 bis 2005), und seit 2005 von Syl­via Fon­fa­ra. Es gab mit Sicher­heit wei­te­re Mit­ar­bei­ter, über die lei­der kei­ne Infor­ma­tio­nen vor­lie­gen.

8. Heinz-Uwe Mar­quardt
ist seit dem 1. Okto­ber 2014 für das Stadt­ar­chiv ver­ant­wort­lich. Gemein­sam mit sei­ner Mit­ar­bei­te­rin Syl­via Fon­fa­ra ist er bestrebt, das Archiv im Sin­ne sei­ner Vor­gän­ger wei­ter zu füh­ren. Der neue Stadt­ar­chi­var wur­de 1960 in Schö­nin­gen gebo­ren, ist gelern­ter Gold­schmied, aber bereits seit 30 Jah­ren im Volks­wa­gen­werk Wolfs­burg tätig. Seit sei­ner Kind­heit beschäf­tigt er sich bereits mit der Schö­nin­ger Hei­mat­ge­schich­te, wobei das Sam­meln von Ansichts­kar­ten, Fotos, Fir­men­rech­nun­gen, usw. aus dem alten Schö­nin­gen seit lan­ger Zeit zum Inter­es­sen­ge­biet des neu­en Archi­vars gehö­ren. Dar­über hin­aus wer­den von ihm auch seit 1985 alle Zei­tungs­ar­ti­kel die Schö­nin­gen betref­fen archi­viert. Die­se Samm­lung umfasst bereits eine Samm­lung von über 100 prall­ge­füll­ten Leit­zord­nern. Um hier etwas zu fin­den, sind sämt­li­che Arti­kel unter The­ma, Stich­wort, Datum und Ord­ner­num­mer in einer Com­pu­ter­da­tei hin­ter­legt. Auf­grund die­ses Inter­es­ses und stän­di­ger Besu­che im Stadt­ar­chiv bei Jür­gen Kön­ne­cke und auch schon bei sei­nem Vor­gän­ger, Ober­stu­di­en­rat Wer­ner Freist, wur­de ihm im Jahr 2014 von der Stadt­ver­wal­tung die Betreu­ung des Stadt­ar­chivs über­tra­gen, nach­dem Jür­gen Kön­ne­cke das Amt abge­ge­ben hat­te.

Heinz-Uwe Marquardt
Heinz-Uwe Mar­quardt, seit 2014 Lei­ter des Stadt­ar­chi­ves

Sein Ziel ist es, durch das wei­te­re Sam­meln und die Tätig­keit im Archiv, ein Fens­ter in die Geschich­te der Stadt zu öff­nen, um dadurch ein Bewusst­sein für die Ver­gan­gen­heit unse­rer Hei­mat und für das kul­tu­rel­le Erbe zu schaf­fen und längst ver­ges­se­ne Ansich­ten, Fir­men und Bege­ben­hei­ten auf die­sem Wege in Erin­ne­rung zu behal­ten und damit eine der Stadt Anse­hen ver­schaf­fen­de Ein­rich­tung zu för­dern.
Die heu­ti­ge Arbeit im Archiv bezieht sich vor­wie­gend auf das Ein­sor­tie­ren von Neu­zu­gän­gen und die Beant­wor­tung von Anfra­gen zur Stadt­ge­schich­te. Häu­fig wen­den sich auch bun­des­weit täti­ge Anwalts­kanz­lei­en an die Stadt, bzw. an das Stadt­ar­chiv, die Hil­fe und Aus­künf­te bei Erb­an­ge­le­gen­hei­ten suchen, da sich in den Archiv­be­stän­den die ab ca. 1900 geführ­te frü­he­re Ein­woh­ner­mel­de­kar­tei befin­det, wel­che die Daten der einst in Schö­nin­gen wohn­haft gewe­se­nen Ein­woh­ner beinhal­tet. Für die wei­ter zurück­lie­gen­de Zeit gibt das von 1666 bis etwa 1900 sorg­fäl­tig hand­schrift­lich geführ­te Bür­ger­buch Aus­kunft. Gele­gent­lich mel­den sich auch Per­so­nen an, die zu For­schungs­zwe­cken per­sön­lich in bestimm­ten Unter­la­gen nach­schla­gen möch­ten.

Quel­len:
Stadt­ar­chiv: Rose — Doku­men­ta­ti­on, I‑B-1/L‑121 Karl Rose, in: UH 3./1969
S. 37f.; Kars­ten Bock in Zusam­men­ar­beit mit Maik Albrecht, Schrift­li­che Mit­tei­lun­gen der Stadt Schö­nin­gen Hans-Gün­ter App­uhn; Heinz-Uwe Mar­quardt Vor­stands­mit­glied Hei­mat­ver­ein, Schö­nin­gen Stadt­ar­chi­var
Fotos: Archiv des Hei­mat­mu­se­ums; Stadt­ar­chiv; Georg Much